Zur Zeit ist hier das Mid-Autumn
Festival, eins der 4 wichtigstens chinesischen Feste, im Gange. Das ist
eine Art Erntedankfest, was hier sehr familiär gefeiert wird.
Traditionell schenkt man sich gegenseitig Mooncakes, die man dann teilt.
Die originalen Mondkuchen sind außen süß und enthalten in der Mitte ein
gesalzenes Eigelb, dass den Vollmond symbolisieren soll. Das Mid-Autumn
Festival wird nämlich auch als Mondfest bezeichnet, da es am 15. Tag des 8.
Mondmonats des chinesischen Kalenders gefeiert wird.
Die Mischung von
Süßem mit Salzigem entspricht dem Verständnis von Ying und
Yang. War trotzdem nicht mein Fall. Also Eigelb rausgeschabt und den
Rest gegessen. Selbst dann nicht die beste Süßspeise, die ich je hatte aber ok. Man muss es eben mal probiert haben. ;)
Mooncakes mit süßer Füllung und Schokosoße
Später habe ich dann noch komplett süße Mooncakes gegessen. Die waren echt lecker. Richtig isst man sie auch, wenn sie im Gefrierfach waren und man sie dann 10 Minuten bei Zimmertemperatur stehen lässt. Zusammen mit Schokosoße...köstlich. Die Füllungen waren hier zum Beispiel Mango und Schoko.
Das war auch so ziemlich das erste Mal, dass ich in Hongkong richtig etwas Süßes gegessen habe. Sonst hatte ich nie wirklich Appetit darauf. Schon seltsam. =)
riesige begehbare Laterne
Am Samstag waren wir dann beim Lee Kum Kee Laternenfest, eine Art Rummel, bloß viel bodenständiger. Hier geht die ganze Familie hin um sich gemeinsam die Laternen anzuschauen. Es waren wirklich alle Altersgruppen vertreten.
Laternen innerhalb der begehbaren Laterne
Die Laternen gab es in groß und klein, in rund und in Form von Figuren. Ein buntes Spektakel. =)
An einem Stand konnte man Wünsche auf einen Zettel schreiben und an eine Wand pinnen. Kostenlos =) In Deutschland hätte das jeder sofort vermarktet.
Laterne in Form einer Figur
Alles in allem war das eigentlich gar nicht viel, aber die bunten Laternen und die vielen Familien haben einfach eine schöne Stimmung verbreitet. Und ich konnte natürlich ein paar Fotos für euch machen ;)
Laternendrache
Am Sonntag (30.09.) war dann mit dem Vollmond auch der Höhepunkt des Mondfestes. Viele Familien trafen sich, um bei einem Grillabend und im Mondschein beisammen zu sein.
endlich liegt das Fleisch auf'm Rost
Da dachten wir uns, wir nehmen daran einfach mal teil. Also haben wir Grillgut gekauft und uns auf den Weg zu einem der vielen Grillplätzen gemacht. Nach über 80 Minuten mit Bahn und Bus fanden wir dann einen völlig okkupierten Grillplatz vor. Alles voller Hongkongesen, die uns nicht wirklich an die Grillplätze ließen, was ich aber verstehen kann. Wir haben shcließlich nichts mit dem Fest am Hut und sie wollen es einfach so begehen, wie sie es gewöhnt sind. Mit Familie und Freunden und nicht mit irgendwelchen Fremden.
Vollmond
Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir endlich mit knurrendem Magen (die Duft nach Gebratenem in der ganzen Gegend war echt fies) einen Platz für uns beanspruchen konnten. Bei Würstchen und Steaks (erstaunlich gutes Grillgut, muss ich sagen) ging für uns damit das Mid-Autumn Festival zu Ende.
Letzten Mittwoch hatte ich meine erste richtige Stunde Chinesisch. Die Dozentin ist ziemlich cool, spricht verständlich Englisch und man hat auch Respekt vor ihr. Also eine gute Grundlage für einen erfolgreichen Kurs. Aber sie hat uns erstmal gesagt, warum Hongkong schlecht ist zum Putonghua (Mandarin) lernen.
Beispiele für den Unterschied zwischen traditionellen und
vereinfachten chinesischen Schrftzeichen
Zum einen sprechen die Leute hier Kantonesisch, die Aussprache kann man hier also nicht auf der Straße lernen. Die Bedeutung der Schrift ist im Wesentlichen die gleiche, aber in Hongkong werden im Gegensatz zum Rest von China die traditionellen, komplizierteren Schriftzeichen verwendet.
Die Volksrepublik hat im Laufe der 10-jährigen Kulturrevolution unter Mao Zedong die traditionellen Schriftzeichen mit neuen vereinfachten Schriftzeichen ersetzt. Hongkong als damalige Kolonie Großbritanniens blieb davon verschont. Vieles der traditionellen Kultur wurde während dieser Zeit "abgeschafft", so wie ich das verstanden habe. Aber das soll keine Geschichtsstunde werden.
Die Stunde ging relativ schnell vorbei, viel gelernt haben wir nicht, abgesehen von der Aussprache der Pinyin-Schrift, der Umschreibung der chinesischen Schriftzeichen mit lateinischen Buchstaben.
Direkt im Anschluss war das Auswahltraining für das Tischtennis-Team der Universität. Etwa 40 Anwärter, darunter ein Nicht-Chinese ;). Die ersten Auswahlrunden wurde nur auf Ballsicherheit geprüft. Ich konnte bei allen knapp (knapp wegen meiner lausigen Rückhand) bestehen und kam unter die letzten 4. Dass muss man sich mal überlegen. Ich (Kreisliga) komme in China unter die besten 4 von 40 Bewerbern.
Nun ging es ran gegen jeden des schon bestehenden Teams. Da sah es dann duster für mich aus. Einen Satz konnte ich gewinnen, mehr war nicht drin. Ins Team kamen nur die besten 2. Also knapp verfehlt. Aber ich kann behaupten, dass ich schonmal gegen Chinesen Tischtennis gespielt habe. Und 4. von 40 ist schon gar nicht so schlecht, finde ich. =)
Johannes, Danny und ich an der Promenade von
Tsim Sha Tsui
Beim Einspielen habe ich einen kennengelernt, der auch im Wohnheim lebt. Mit dem habe ich dann später ausgemacht, dass wir einfach an die hauseigenen Platten gehen. Zumindest so komme ich zu meinem Training. ;)
Am nächsten Tag wurde ich dann spontan von Johannes besucht. Ich kenne ihn schon seit dem Gymnasium und er studiert auch an der FH Jena. Für seine Bachelorarbeit hat er sich entschlossen nach Guangzhou zu gehen. Das liegt etwa 100 km nord-westlich von Hongkong, ist also quasi gleich um die Ecke. Da er wegen eines Visumsantrages eh nach Hongkong musste, haben wir uns direkt mal getroffen und einen Kaffee an der Promenade getrunken.
Endlich habe ich sie mal gesehen, die Symphony of Lights, die Lichtershow, die man jeden (JEDEN!!!) Abend um 8 von Kowloon aus mit Blick auf Hong Kong Island sehen kann. Kurz vorher wird sie per Lautsprecher an der Promenade angekündigt und dann auch musikalisch untermalt. Am Anfang ging es relativ verhalten los. Ein paar Laserstrahlen da, ein paar blinkende bunte Lichter dort. Ich dachte mir: "Sie geht ja 15 Minuten. Sie müssen sich ja schließlich steigern." So viel zu meiner Theorie.
Es wurde nicht wirklich besser. Ich hatte mir deutlich mehr von dieser Lichtshow erwartet. Seht selbst, aber ihr müsst ein bisschen vorspulen, weil vorher noch angekündigt wird, wie überragend die Show ist:
Enttäuscht und durchnässt (geregnet hatte es auch noch) machten wir uns dann auf die Suche nach einem Restaurant fürs Abendessen, um den Abend wieder aufzuhellen, was eigentlich die Lichtshow tun sollte.
unser kleines Boot
Am Tag darauf war ich auf einer Tour mit einem Boot, das von uns (30 Austauschstudenten) gemietet wurde. Am Morgen sah es noch gar nicht nach gutem Wetter aus. Die ganze Nacht hatte es geregnet. Aber sobald wir auf dem Boot waren, kam die Sonne richtig raus, was natürlich gleich zum Sonnenbaden genutzt wurde. =)
Klippen in der Nähe von unserem Strand
Nach einer kurzen Fahrt hatten wir dann auch schon unser erstes und letztes Ziel erreicht. Ein einsamer Strand mit weißem feinen Sand. Einsam aber auch nur, weil wir die ersten dort waren an dem Tag.
"einsamer" Strand auf der Insel Kau Sai Chau
Kurz nach uns trafen noch viele andere Boote ein, was den Strand dann eher in ein Tourismuszentrum verwandelte. Aber wir hatten kurz den Strand ganz für uns. =)
Nachdem wir zum Strand und zurück geschwommen waren (so viel Luxus hatten wir dann doch nicht, dass wir bis ans Ufer gebracht worden wären), wurde der Rest des Tages auf dem Boot bei mitgebrachten Getränken und selbst geschmierten Sandwiches (waren die lecker!!!) verbracht. Und ab und zu wurden natürlich Sprünge vom Boot ins Wasser gewagt. Oder man hat einfach die angebaute Wasserrutsche benutzt, um sich abzukühlen. =)
Tubing biscuit, hier zum Chillen zweckentfremdet
Etwa jede Stunde kam ein Speedboat vorbei und hat ein paar von uns abgeholt, um mit ihnen Tubing (man liegt da quasi auf einer Luftmatratze und wird vom Boot mit hohe Geschwindigkeit über das Wasser und die Wellen gezogen) oder Wakeboarden zu fahren.
Wakeboarding hab ich selbst ausprobiert, in der Hoffnung, dass es ähnlich wie Snowboarden ist. Ist es auch, aber erst wenn man aufrecht auf dem Brett und auf der Wasseroberfläche steht.
Man wird dabei auch vom Speedboat gezogen und hat eine Art Surfbrett an die Füße geschnallt. Ich habe echt mein bestes gegeben aber nach 6 oder 7 Versuchen habe ich dann jemand anderes sein Glück versuchen lassen. Eins zwei mal war ich aufrecht auf dem Wasser, hab dann aber vergessen das Board zu drehen und mich nach hinten zu lehnen. Also bin ich wieder Kopf über ins Wasser gestürzt. :D Ist recht viel auf einmal, was man da beachten muss. Und man hat nicht viel Zeit zum überlegen. ;)
Der Trip mit dem Speedboad hat etwa eine Stunde gedauert, sodass ich einen ganz schön starken Sonnenbrand bekommen hab. Auf offener See ist die Sonne noch mal n ganz schönes Stück stärker. Die kommenden Nächte waren jedenfalls alles andere als angenehm, wie ihr euch vorstellen könnt.
Wo bin ich? ;)
Als ich wieder auf unserem normalen Boot war, kamen dann ab und zu Jetski-Fahrer vorbei und luden uns ein, eine kleine Runde zu drehen. Da sag ich nicht nein. ;) Die Dinger haben echt einen Affenzahn drauf. Bei Highspeed und in der Kurve sagte mein Fahrer dann auch noch, ich solle aufstehen, weils dann noch besser ist. Total verrückt der Typ. Mal allein einen Jetski fahren, das wär was. =)
Kurz nach Sonnenuntergang machten wir uns dann wieder auf den Rückweg, natürlich ohne zu vergessen, ein Gruppenfoto zu machen.
PS: Ich habe mal Einstellungen am Blog verändert. Somit müsste jetzt jeder Kommentare erstellen können, auch ohne sich irgendwo anzumelden. Einfach Anonym als Profil auswählen und schon müsste es gehen.
Außerdem habe ich eine Uhr hinzugefügt, wem es noch nicht aufgefallen ist, sodass ihr sehen könnt, wie spät es gerade bei mir ist.
Bei einer kleinen Willkommensveranstaltung für Austauschstudenten im Wohnheim, wurden uns erst ein paar Videos über Hongkong gezeigt. Darunter auch ein Ausschnitt über Silvester:
Einfach nur der Hammer. Also wer mich zu Silvester besuchen möchte, ist hiermit recht herzlich eingeladen!
Danach gab es eine Vorstellung von Martial Arts, bei der verschiedene Bewohner des Wohnheims, die das in ihrer Freizeit machen, einen Kampfstil vorstellten. Der mit dem langen Schwert war ganz schön eindrucksvoll. Und eins ist sicher: Ich möchte keinem allein im Fahrstuhl begegnen. :D
Anschließend gab es noch eine Vorstellung von drei jungen Frauen, die ein traditionelles chinesisches Instrument, Guzheng genannt, spielten. Eine davon ist sogar amtierende Meisterin seit den letzten Meisterschaften in Peking. Es klang auch wirklich sehr schön. Eine Mischung aus Harfe und gezupfter Gitarre würde ich sagen. Hört selbst:
Nadine und ich beim Karaoke
Nick und Wilson haben anscheinend ein
Duett gefunden. Schon ein schönes Paar :D
Danach entschlossen sich einige, in eine Karaokebar zu gehen. Ich war erst nicht so begeistert, weil es wieder so schien, als würden wir eine riesige Gruppe werden. Aber allein im Zimmer hocken wollte ich auch nicht und da ich das sowieso endlich mal machen wollte, schloss ich mich an. Die Bar hieß Red Mr. Dort gab es über 50 Räume, die man für einen Abend mieten konnte, inklusive ein paar Getränke. So kam jeder mit 150 HKD davon und wir hatten eine Menge Spaß, wie man glaube ich sehen kann. :D Der Abend hat sich also vollkommen gelohnt und ich hätte es bereuht, wenn ich nicht mitgegangen wäre.
Damit ihr nicht denkt, dass ich nur am Feiern bin, werde ich mal etwas über mein Praktikum erzählen.
Wenn ich nicht gerade versuche, Verantwortliche für Labore zu kontaktieren, sitze ich die meiste Zeit in diesem Labor (siehe Bild links). Der freie Platz an der Seite wurde extra für mich zur Bürofläche umfunktioniert. Aber was hier echt schlimm ist:
Es ist arschkalt in den Laboren, insbesondere, wenn man direkt unter den Klimaanlagen sitzt. Ich überlege echt schon, einen Pullover mitzunehmen. =)
Ich hab auch langsam ein schlechtes Gewissen. Gestern hab ich am Abend um 9 Feierabend gemacht und in meinem Labor/Büro waren immer noch 5-6 Leute am werkeln. Und es ist nicht so, dass die erst gegen Mittag aufkreuzen (so wie ich meistens ^^). Auch mein Betreuer ist von früh bis spät an der Uni (aber vielleicht nur jetzt am Anfang des Semesters, da haben Professoren ja bekanntlich am meisten zu tun). Trotzdem. Ich dachte schon von Deutschen, dass sie leben um zu arbeiten und nicht umgekehrt. Aber hier ist das ja fast noch schlimmer.
Außerdem gilt es eigentlich als illoyal, wenn man nach dem Chef kommt und vor dem Chef geht. Demnach müsste ich schon komplett unten durch sein! ;)
Zugang zur PolyU zum Feierabend
Als ich dann nach Hause ging, wurden alle auf dem Campus per Lautsprecher darauf hingewiesen, dass ein Ausgang stark überfüllt sei und man doch bitte, wenn möglich, einen anderen Ausgang benutzen soll. Auch Security Guards, die der Uni angehören, haben geholfen den Fußgängerverkehr so zu leiten, dass es keinen Stau gibt und gesitteter Linksverkehr auf den Fußwegen herrscht.
Das nenne ich mal erfolgreiche Vermeidung von Massenpanik. =) Aber ich glaube auch, dass es hier notwendig ist bei den vielen Studenten und Angestellten an der Uni und sicher auch an anderen Orten in Hongkong.
Verkehrsführung für Fußgänger =)
Selbst in den Subways (unterirdische Fußwege, die die Eingänge der MTR-Stationen miteinander verbinden) wird man angehalten, Linksverkehr einzuhalten. Verkehrsführung bis ins Detail =)